Ende Oktober verbrachte Frau Professor Pesendorfer als einzige österreichische Musikerin 2 Wochen in Kairo, um bei der Eröffnung des „Grand Egyptian Museums“ (kurz GEM) mit einem internationalen Orchester zu spielen, das eigens dafür zusammengestellt wurde. 79 verschiedene Nationen wurden hier vereint.

Die erste Probenphase fand in einem großen Saal des Hotels statt, in dem auch alle OrchestermusikerInnen untergebracht waren.
Nach 3 Tagen Orchesterproben kam der Chor hinzu, der wiederum aus SängerInnen aus vielen verschiedenen Ländern bestand.
Danach fanden die Proben am Platz vor dem Grand Egyptian Museums statt. Dabei wurde eine gigantische Bühne inklusive großer Leinwand, Türme für Ton und Licht, Laser, Filmkameras etc. bespielt.
Zum Einsatz kamen 10 verschiedene traditionelle ägyptische Musikinstrumente wie Nai-Flöte, Oud, Mandoline, Rababa, Mizmar, Zurna, Qanoon und ägyptische Perkussionsinstrume, die innerhalb der orchestralen fimmusikartigen Stücke eine solistische Rolle einnahmen. GesangssolistInnen, zwei junge Geigerinnen und eine große Gruppe Tänzerinnen und Tänzer waren ebenfalls Teil der Performance.
Die Proben fanden abends im Freien statt, wobei die Luftfeuchtigkeit in der Wüste bis zu 85% anstieg. Die längste Probe dauerte bis 4 Uhr Früh.
In den Wartezeiten wurden wir gut verpflegt und wir nutzten diese Zeiten, um uns auszutauschen und uns kennenzulernen.
Außerhalb der Probenzeit hatten wir die Gelegenheit, Kairo zu besichtigen.
Ich besuchte die Pyramiden von Gizeh, die Muhammed Ali Moschee, den Khan El Khalili Markt, das Alte Ägyptische Museum am Tahrir-Platz , das koptische Viertel und eine Synagoge. Wir hatten Glück, sehr erfahrene Führer an unserer Seite zu haben, die uns alles erklärten. Abends spazierten wir am Nil entlang und wurden dabei von einheimischen Orchestermusikern begleitet.
An einem Vormittag war ich vom österreichischen Botschafter und seinem Team zu einem Kaffee in die Botschaft eingeladen, wo sich sehr interessante Gespräche ergaben.
Der Tag der Eröffnung rückte näher und man konnte die Vorfreude und die Erwartung auf das große Ereignis in der Stadt spüren. Viele Leute tanzten und sangen auf den Straßen, schwenkten Fahnen und hupten in ihren Autos.
Meine Erfahrungen mit den Menschen in Kairo waren durchwegs positiv. Viele riefen „Welcome“ und freuten sich über einen Gruß meinerseits.
So laut und vibrierend der Tag vor der Eröffnung war, so leise und angespannt konnte man den Tag der Eröffnung wahrnehmen. Viele große Straßen waren für den Normalverkehr gesperrt. Überall standen Polizisten und kontrollierten Autos und Menschen.
Nach dem Schminken, Frisieren und Umziehen ging es dann los: Auf die Bühne!
Zunächst verfolgten wir per Videoleinwand die Begrüßung der Staatschefs, MinisterInnen und königlichen Paaren mit.
Dann war es soweit: Wir spielten unser erstes Stück mit dem Titel „Landing to Egypt“.
Die Kompositionen stammten alle von Hisham Nazih, einem berühmten ägyptischen Komponisten, der auch mehrmals bei den Proben anwesend war.
Unser Dirigent Nayer Nagui, ebenfalls ein Ägypter, leitete das Orchester auf eine freundliche und professionelle Art.
Die Zeit der Aufführung verging für mich wie im Flug.
Nach der erfolgreichen Aufführung wurde noch ein wenig gefeiert und dann ging es zurück ins Hotel. Nach ein paar Stunden Schlaf war es Zeit, Abschied zu nehmen. Der Flug nach Wien verlief reibungslos, und nach der Zugfahrt ins Kamptal wurde ich abends von meiner Familie empfangen.
Wenige Stunden später stand ich schon im Musiksaal des Mary Ward ORGs und berichtete den Schülerinnen und Schülern von meiner tollen Reise.
Ich bin sehr dankbar, dass es mir ermöglicht wurde, nach Kairo zu fahren - eine Erfahrung die mich sicher noch lange begleiten wird.
Prof. Cornelia Pesendorfer






